Niederfrequenz oder Mittelfrequenz: Das steckt dahinter

Sibylle Engelke M.A.

Für elektrische Muskelstimulation (EMS) gilt: Strom ist nicht gleich Strom. Unterschiedliche Impulse haben unterschiedliche Wirkungen. Welche Stromfrequenz ist für welchen Zweck am besten geeignet? Und wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Nieder- und Mittelfrequenz? Hier bekommst du die Antworten.

 

 

Ständig unter Strom

Elektrische Muskelstimulation – fast jeder, der dieses Wort zum ersten Mal hört, reagiert skeptisch. Die häufigste Reaktion: „Was? Training mit Strom? Ist das nicht gefährlich?“ Gleich vorab: Nein, ist es grundsätzlich nicht! Die Stromfrequenzen, die beim EMS zum Einsatz kommen, sind bei richtiger Anwendung gesundheitlich unbedenklich. Außerdem: Elektrische Impulse sind für unseren Organismus nichts Fremdes – ganz im Gegenteil: Unser Körper steht ständig unter Strom.

 

Die Bioelektronik unseres Körpers

Denn jede Körperfunktion, jede bewusste oder unbewusste Bewegung, jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Sinneswahrnehmung wie Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen, Kälte-, Wärme- und Schmerzempfinden ist Ergebnis elektrischer Signale, die permanent durch unseren Körper fließen.

Hundert Milliarden von Nervenzellen versorgen dafür unser Gehirn ununterbrochen mit Informationen. Das Gehirn verarbeitet die Informationen und sendet sie weiter zu unseren Organen und Muskeln. Die Übertragung der Informationen erfolgt über die Nervenbahnen – mittels elektrischer Signale.

 

Wie das funktioniert, wird am folgenden Beispiel deutlich: Stellen wir uns vor, wir haben Durst. Auf dem Tisch steht ein Glas Wasser. Um den Durst zu stillen, sendet nun unser Gehirn  elektrische Impulse zu den Muskeln des Arms und der Hand. Die Muskeln kontrahieren, um das Glas zu greifen, den Arm zu heben, das Glas zum Mund zu führen und zu trinken.

 

EMS ist für unseren Körper nichts Fremdes

Das Beispiel zeigt: Elektrische Impulse sichern die Funktionsweise unseres Körpers. Der Unterschied: Beim EMS-Training sendet nicht das Gehirn die elektrischen Signale, sondern die Impulse kommen von außen. Sie werden über Elektroden übertragen und stimulieren die Muskeln dazu, sich anzuspannen. Der Vorteil: Im Gegensatz zu einer willkürlichen Anspannung, die das Gehirn auslöst, stimulieren die elektrischen Impulse 90 Prozent der Muskelfasern und bringen sie simultan zur Kontraktion.

 

EMS zündet den Turbo

Dieser Effekt bringt mit sich, dass alle Skelettmuskeln im Körper gleichzeitig trainiert werden. Und das ganz unabhängig davon, ob die Muskeln groß oder klein sind, ob sie oberflächlich oder tief im Körper liegen. Deshalb wirkt EMS wie ein Turbo und vervielfacht den Effekt eines klassischen Krafttrainings. Außerdem: Da die Impulse auch die sonst schwer zu trainierende tiefliegende Rücken-, Bauch- und Beckenbodenmuskulatur erreichen und kräftigen, ist EMS auch perfekt geeignet, um Rückenbeschwerden oder Inkontinenz entgegenzuwirken.

 

Welcher Impuls ist der richtige? Das Trainingsziel ist ausschlaggebend

Unterschiedliche Impulse haben unterschiedliche Effekte. Welche Wirkung der elektrische Impuls auf die Muskeln hat, ist unter anderem von der Frequenz abhängig. Die Frequenz bezeichnet die Anzahl der elektrischen Impulse pro Sekunde. Je nach Frequenz des Stroms, werden unterschiedliche Muskelfasertypen angesprochen.

Die Skelettmuskulatur ist aus verschiedenen Muskelfasertypen zusammengesetzt. Sie besteht aus den weißen Typ-II-Muskelfasern, die für einen kurzen Zeitraum sehr viel Kraft entwickeln können, dafür aber schnell ermüden. Und den roten, langsam ermüdenden Typ-I-Muskelfasern, die weniger intensiv, aber dafür ausdauernder arbeiten.

 

Praxisbeispiel: Bei einem kurzen, schnellen 100-Meter-Sprint werden in erster Linie die weißen, schnell ermüdenden Typ-II-Muskelfasern aktiviert. Bei einem Langstreckenlauf sind es vor allem die roten, langsamen Typ-I-Muskelfasern, die für die Bewegungsausführung sorgen. Das heißt, je nach Belastungszustand und Bewegungsziel werden unterschiedliche Muskelfasern aktiv.

 

Auf den Impuls übertragen bedeutet das:

 

  • Bei Frequenzen von ca. 50 bis 85 Hertz (Hz) werden vornehmlich die roten Typ-II-Muskelfasern stimuliert, die für kurze, kraftvolle Kontraktionen zuständig sind und ist damit ideal für Krafttraining

 

  • Zwischen 20 und 40 Hz reagieren hauptsächlich die ausdauernden Typ-I-Muskelfasern, die langsam ermüden – diese Frequenz ist deshalb ideal für Ausdauertraining

 

  • Bei Impulsen zwischen 2-15 Hz schüttet der Körper zusätzlich Hormone (Endorphine) aus, die Schmerzen entgegenwirken und gleichzeitig die Stimmung aufhellen

 

Mittelfrequenz und Niederfrequenz: Je höher die Frequenz, desto niedriger der Widerstand

Bevor das elektrische Signal zu den Muskeln und Nerven vordringt, um dort seine Wirkung zu entfalten, muss der Strom zuerst den galvanischen und den kapazitiven Widerstand der Haut überwinden. Dabei gilt das Prinzip: Je höher die Frequenz, desto geringer der Widerstand.

 

  • Für niederfrequenten Strom (NF) bis 1.000 Hz stellt der kapazitive Widerstand der Haut eine hohe Barriere dar – dadurch dringt der Strom weniger in die Tiefe. Deshalb wird der reine NF-Impuls von Anwendern auch manchmal als „pieksig“ empfunden.

 

  • Für mittelfrequenten Strom (MF) ab 1.000 Hz ist der Hautwiderstand kein Problem. Das heißt, der Impuls dringt mehr in die Tiefe, wirkt dort breitflächiger und führt zu einem so genannten „Volumeneffekt“. Durch den minimalen kapazitiven Hautwiderstand wird der MF-Strom von Anwendern als äußerst angenehm empfunden. Dadurch werden wiederum höhere Impulsstärken möglich, die durch stärkere Muskelkontraktionen intensivere Effekte hervorrufen.

 

Ideal ist die Kombination beider Stromarten

Um optimale Ergebnisse mit EMS zu erzielen, gilt es, die Effekte der mittelfrequenten und niederfrequenten Stromform miteinander zu kombinieren. So kann der Trainierende gleichermaßen von den Vorteilen der Niederfrequenz und den Vorzügen der Mittelfrequenz profitieren.

 

Die modulierte Mittelfrequenz

Damit die Effekte der Mittelfrequenz mit denen der Niederfrequenz gemeinsam ihre optimale Wirkung entfalten können, werden die mittelfrequenten Impulse durch verschiedene Verfahren verändert, das heißt „moduliert“. Die Modulation ermöglicht eine ideale Eindringtiefe der elektrischen Impulse, fördert gezielt die Zellaktivität und den Zellstoffwechsel und aktiviert unterschiedliche Gewebsarten im Körper wie z.B. Haut-, Muskel-, Fett- und Bindegewebe ihrer Physiologie entsprechend. Weiterer Effekt: Mit modulierter Mittelfrequenz können sowohl die intermuskuläre Koordination (das Zusammenspiel von Agonisten und Antagonisten), als auch die intramuskuläre Koordination (das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln innerhalb eines Muskels) besonders effektiv verbessert werden.

 

 

 

 

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